Die Gräfinnen - Ein Leseclub

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Haushofer, Marlene - Die Wand

1. Kurze Zusammenfassung

Eine namenlose Frau, die Hauptperson, findet sich eines Morgens ganz alleine in ihrer Jagdhütte vor. Mitten im Wald hat sich über Nacht eine riesige, gläserne Wand aufgebaut. Es gibt kein Entkommen, alles aussen ist tot, nur sie ist am Leben. Nach erster Panik freundet sie sich mit dem Leben ohne Menschen, nur umgeben von Tieren, zu denen sie eine intensive Beziehung aufbaut, an. Sie will die Barriere nicht überwinden, sie gräbt nicht, das Äussere hat seinen Reiz verloren. Sie hat das Ziel, ihr Refugium bewohnbar zu machen, geregelte Abläufe schaffen, Boden unter den Füssen.

Es gibt keine Hoffnung auf Rettung, deshalb will sie auch keine Energie mit der Suche nach einem Fluchtweg verschwenden, sie übernimmt die Verantwortung und hängt ihr Herz an die Tiere. das bestimmt ihren Sinn und gibt ihr die Richtung, diese Liebe für Mitgeschöpfe. Sie bleibt tapfer und zerbrechlich.

Am Schluss überlebt nur das Weibliche: Katze, Kuh und Krähe... und die Frau. Für wie lange? Das Buch lässt dies offen.

Das Buch war kein grosser Erfolg und 1970 nicht mehr erhältlich. Die Neuauflage erfolgte 1983 zur Zeit der Frauen- und Friedensbewegung und wurde als weibliche Robinsonade bezeichnet

2. Über den Autor/die Autorin

1920

Marlen Haushofer wird am 11. April als Marie Helene Frauendorfer in Oberösterreich geboren. Vater: ist Revierförster.

1939

Matura; anschließend Arbeitsdienst in Ostpreußen, dort verliebte sie sich in einen Deutschen, der später fiel; im Herbst Beginn eines Germanistik-Studiums an der Universität Wien

1941

Studienunterbrechung. Geburt eines Sohnes (Christian), der in Bayern aufwuchs (evtl. ist der Vater der Mann, den sie in Ostpreußen kennengelernt hatte). Aufenthalt in München und Prag. Heirat mit Manfred Haushofer.

1942

Rückkehr nach Wien

1943

Geburt des zweiten Sohnes (Manfred); Wiederaufnahme des Studiums an der Universtität Graz

1945

Flucht nach Frauenstein. Abbruch des Studiums

1947

Übersiedlung nach Steyr, Oberösterreich, wo Marlen Haushofer bis zu ihrem Tode lebte

1950

Scheidung, das frühere Ehepaar hatte jedoch weiter einen gemeinsamen Hausstand.

1958

Marlen und Manfred Haushofer heiraten nochmals.

1963

Arthur-Schnitzler-Preis (für den Roman Die Wand)

1968

Österreichischer Staatspreis für Literatur (für den Band Schreckliche Treue)

1970

Marlen Haushofer, die in den letzten Jahren ihres Lebens an Knochenkrebs litt, stirbt am 21. März in einer Wiener Klinik.

3. Diskussion zum Thema

Marlene Haushofer nimmt im Buch Ereignisse vorweg, dies kann langweilig werden, aber es hat auch Spannung erhalten, de Stil ist einfach.Das Buch relativ kurzatmig, gibt Rhythmus der Natur an. Hat viel mit Menschlichkeit zu tun.

die verantwortliche Gräfin hat das Buch an zwei Abenden gelesen. Man empfindet es wohl als toll oder schlecht und stellt dadurch eine gute Basis dar für eine Diskussion. Sie empfindet das Buch als sehr positiv. Es hat ihr ausgezeichnet gefallen.

Aber es wirft Fragen auf: Hauptperson will Barriere nicht überwinden, gräbt nicht, findet sich ab damit, kein Reiz auf der anderen Seite. Sie hat das Ziel, ihr Refugium bewohnbar zu machen, geregelte Abläufe schaffen, Boden unter den Füssen. Warum hat die Frau keinen Namen?

Es gibt nie Hoffnung auf Rettung, so wird auch keine Energie auf Suche verschwenden, übernimmt Verantwortung.Sie bleibt tapfer und zerbrechlich.

 

Die Wand handelt in Oberösterreich. Es ist eine Gegend, die zum Jagen einlädt und man gerne wieder in Richtung nach Hause verlässt. Sie lädt nicht zum Bleiben ein.

Die Protagonistin muss alles planen, damit sie nicht ins Grübeln gerät. Der Mann war verlumpt, er hat eine andere Geschichte daraus gemacht als die Frau. Sie schuf sich ein Zeitgerüst, obwohl es keine „Zeit“ mehr gibt

 

Eine andere gräfliche Meinung, weniger positiv:

Wie erwartet war es trotz der einfachen Sprache nicht ganz einfach zu lesen. Für mich jedenfalls, denn mir fehlten die Dialoge. Ich bin eher ein Mensch fürs Gespräch als für ein einsames Leben mit Tieren geschaffen, deshalb konnte ich mich nie richtig in die Protagonistin einfühlen. Abgesehen davon: ich habe diese 40erin bewundert! Wie sie das geschafft hat. So wie sie erzählte, schien ihr vorheriges lLeben aus Langeweile zu bestehen. (S. 89 ganz oben) Dennoch hat sie sich der Herausforderung, alleine im Wald zu leben, voll gestellt und viel gelernt, viel braches Wissen genutzt und sich durchgeschlagen.

 

Dennoch, der Anfang war sehr spannend, was ist das für eine Wand, woher kommt sie, woraus besteht sie, gibt es kein Durchkommen, verschwindet sie…dem wurde für meinen Geschmack zu wenig nachgegangen. Nun, die Protagonistin hat das so akzeptiert, da hat mich das ganze Buch hindurch wahnsinnig gemacht. Ich hätte geforscht, (und wäre dabei verhungert…)

Die Schreiberin hat sich emanzipiert, ist autark aber auch sehr einsam. Spannend zu Wissen, ob sich die Emanzen Anfang der 60er Jahre so vorgekommen sind? Gegen eine Wand rennend, die aus lauter Männern bestand?

 

Gräfin 3: Ihr hat das Buch gut gefallen, ausser dass die Protagonistin keinen Ausweg sucht. Jemand muss sie doch vermissen!! Sie hat auf Jahre hinaus gedacht und geplant. Langatmigkeit der Sätze war teilweise nervig. Die Spannung fehlt zum Weiterlesen. Was kommt noch. Gutes Buch zum Diskutieren.

 

Gräfin 4: Sie fand es ein sehr schönes Buch. Sie hat es vor längerer Zeit gelesen und jetzt auch in 2 Tagen wieder. Die Frau war faszinierend, jedoch eine plumpe Anwendung von Metaphern. Sie sah ein Persönlichkeitsverlust = fand sich nicht im Spiegel wieder.

Symbolik mit Glaswand, funktioniert in deiner Welt, es lohnt sich nicht mit ihr Kontakt aufzunehmen.

Bedeutung? Alm 1 x glücklich – Katastrophe – zieht sich wieder zurück in die Jagdhütte

Rechnet auf brutale Weise mit Mann ab am Schluss des Buches

 

Gräfin 5: Leben lebt sie normal, die Wand ist im Kopf, nüchterne kalte Beschreibung. Schliesst mit vorherigem Leben ab, als hätte sie keines gehabt. Sie ist spröde, gefangen in sich selber.

Kafka – Verwandlung kam ihr in den Sinn

Fühlte sich nicht gerührt, Protagonistin rechnet mit ihrem Leben ab. Szenen mit Katzen schön beschrieben

 

Gräfin 6: Die Wand bestand schon vorher in ihrem Leben. Sie hat das Buch sehr gern gelesen.

Frau hätte durchgedreht, wenn sie sich über Sinn der Wand gefragt hätte

 

 

4 Gräfinnen sagen, die Frau fühlte sich älter an als sie selbst

 

Zwei Gräfinnen sagen: Frau fühlt sich gleich alt an.

 

 


22.06.2006