Die Gräfinnen - Ein Leseclub

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Simenon, Georges - Maigret und der gelbe Hund

1. Kurze Zusammenfassung

Maigret und der gelbe Hund gehört zu jenem ersten halben Duzend offizieller Maigret-Romane, die den Kommissar - und seinen Autor - Anfang der 30er Jahre auf einen Schlag berühmt machten. Zuvor war Maigret bereits als schattenhaft erkennbare Figur in einer Hand voll Heftromanen aufgetaucht.

Inhalt: Concarneau ist eine ruhige Kleinstadt in der Bretagne. Eines Nachts wird es Schauplatz eines mysteriösen Verbrechens: Kurz vor Mitternacht wird Monsieur Mostaguen durch einen Briefschlitz angeschossen. Der nächste Tag bringt weitere Überraschungen: Der Journalist Jean Goyard ist verschwunden. Sein Auto steht am Strand mit Blutspritzern auf dem Sitz. Auf die Verbliebenen einer Stammtischrunde wird ein Giftanschlag verübt. Am Abend nach dem Essen stirbt Monsieur Le Pommeret an einer Strychninvergiftung. Die Gendarmerie fahndet nach einem Landstreicher, der ihr entkommen ist, und nach einem gelben Hund, der nur die Spuren seiner grossen Pfoten hinterlassen hat. Kommissar Maigret ist schon nach dem ersten Überfall eingetroffen. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen – mit seiner Gemütsruhe verbringt der Kommissar seine Zeit in der Schankstube des Hôtel de L'Admiral und beoabachtet die Einheimischen. Auch der despotische Bürgermeister, der endlich Verhaftungen sehen will, um die Bevölkerung zu beruhigen, ärgert sich ob der scheinbaren Tatanlosigkeit Maigrets. Er fordert Ergebnisse – auch wenn man einen Unschuldigen fasst. Maigret weiss, wer der Mörder ist, ihm fehlen nur noch die Beweise. Er muss damit beginnen, die Machtverhältnisse in Concarneau zu durchschauen und zurechtzurücken. Als er den Schuldigen dingfest macht, ist er der Einzige, der nicht aus allen Wolken fällt. Der Hintergrund der Tat ist ein lange zurückliegender Kokainschmuggel nach Amerika, der schief lief. Es wurde das vermeintlich schwächste, wertloseste Glied der Kette (der Schmugglerrings) geopfert. Dieses Opfer beginnt sich zu rächen. (www.maigret.de)

 

2. Über den Autor/die Autorin

Der französisch-belgische Schriftsteller Georges Simenon wurde am 13.2.1903 in Liège geboren. Er war ein fleissiger Schüler, musste aber auf Grund einer schweren Erkrankung des Vaters die Schule vorzeitig verlassen. Er beginnt als Verkaufsgehilfe in einer Buchhandlung, danach fängt er eine Lehre als Konditor an, bis er 1922 Lokalreporter bei der Gazette de Liège wurde. In dieser Zeit erschien sein erster Roman, der die Lütticher Lebensgewohnheiten karikierte.

1921 Verlobung mit Régine Renchon, 1923 heiratet er sie in Paris. Beginnt Kurzgeschichten zu schreiben. (1000) Er reist sehr viel, als Privatsekretär und auch als Privatperson. 1930 begann er mit der Maigret-Serie und schuf so eine der berühmtesten Kommissarfiguren des 20. Jahrhunderts.

1939 kommt Sohn Marc auf die Welt.
Die Ärzte stellen bei Simenon die Fehldiagnose Angina pectoris, er schreibt eine Autobiographie… und lebt noch 50 Jahre!

Nach dem Krieg Übersiedlung nach Amerika

Affäre mit Denise Ouimet, gemeinsamer Sohn John wird 1949 geboren.

Seine so genannten Non-Maigret-Romane wurden als literarische Meisterwerke gefeiert, und auch die ab 1973 folgenden autobiographischen Schriften waren sehr erfolgreich.

Georges Simenon starb hoch betagt am 4.9.1989 in Lausanne

3. Diskussion zum Thema

Das gibt eine kurze Sitzung, eröffent die Sitzungsleiterin das Gespräch, das Buch gibt nicht viel her… Es ist ein dünnes Buch, mit nur 173 Seiten ein kleines Fressen für die geübten Gräfinnen. Wir alle haben denn die Geschichte auch schnell gelesen, die Sache ist einfach, es handelt sich um einen klassischen „Whodunit“ Krimi. Hat sie sehr an Hercule Poirot erinnert. Es herrschte ihrer Meinung nach eine gute Stimmung im Ort. Die Einführung der Figuren empfand sie als gut, Maigret war ihr sympathisch, weil umprätenziös. Es ist kein mega-reisser-Krimi, Simenon hat wohl bessere Bücher geschrieben, wenn er so berühmt und beliebt ist.

Personen:

Mostaguen:

Opfer, aber aus Versehen

Dr. Michoux:

Handelt mit Grundstücken, lebt mit Mutter zusammen

Jean Servières

Journalist (Joyard)

Le Pommeret:

Schürzenjäger, alter Adel

Léon Le Clérec:

Der verdächtige Fischer mit den grossen Füssen

Emma:

Geliebte von Léon, Serviererin im Café

Leroy:

Assistent vor Ort

Gräfin 1 fand das Buch ok, es war kurzweilig, hat es in der strengen Zeit beim Arbeiten lesen können, war nicht zu anspruchsvoll. Sie hat aber kaum Zitate gefunden, der Schluss, die Auflösung des Falles hat ihr sehr gefallen. Ihr imponierte, dass Maigret die Schuld auf sich nahm am Schluss, damit Emma für die vergiftete Flasche keine Konsequenzen tragen muss. Die Gegend ist alles andere als anmächelig.

Gräfin 2 fiel der Obrigkeitsglaube der Leute im Ort auf; heute würde eine solche Geschichte nicht mehr funktionieren. Sie glaubt, dass in der Gegenwart nicht mehr so nach oben geschaut wird. (Da widersprechen Marina und Carmen) Der Kommissar ist selbstgefällig, eine dicke schwere Krabbe mit dem ganzen Wissen. Also für sie eher eine negative Person. Alle anderen Protagonisten stehen dumm herum, niemand kritisiert ihn oder stellt ihn in Frage. Sie findet das Buch und die Geschichte altbacken. Die Polizei wurde vom Bürgermeister des Ortes eingesetzt und bezahlt. Maigret kam aus Paris und mischte diese Chose auf. Aber warum waren diese Maigret –Bücher so erfolgreich damals? Was fanden die Leser an ihm?

Gräfin 3 unterstützt das. Heute sind Krimis besser aufgebaut, die Stränge und Informationen sind vielfältiger, man kann dem Detektiv folgen. Woher weiss Maigret die Lösung? Wir als Leser kriegen den Prozess zur Lösung nicht mit. So blieb sie als Leserin draussen. Alles empfand sie als Nebel- und Schattenhaft, es war wie ein Theater, man war unbeteiligt. An und für sich ist die Auflösung des Falles ok, die Sprache ist gut und angenehm. Das Buch warf Fragen auf, die man heute so nicht stehen lassen könnte. Es braucht mehr Logik und alles muss ersichtlicher sein.

Gräfin 4 konnte den Plot nicht richtig nachvollziehen, auch sie fühlte sich draussen, nicht in und an der Geschichte beteiligt. Sie wurde weder vom Ort, noch von der Story noch von den Hauptpersonen in Beschlag genommen. Es nahm ihr den Ärmel nie rein, das Buch zu lesen war bis zum Schluss ein Müssen.

Gräfin 5 ist sich ein anderes Tempo gewohnt. Ermittlungen finden heute anders statt. Jedem war von Anfang an klar, dass es einer de viel faulen Typen aus der Schankstube sein musste. Der Plot ist alles andere als weltbewegend. Dennoch hat sie das Buch an einem einzigen Abend gelesen, fand es sehr gut, hat ihr gefallen, weil es geradlinig war, kein Schickschnack, die Figuren waren gut gezeichnet, eine einfache Sprache. Sie konnte sich gut in die Stimmung hineinversetzen. Maigret als Person hat ihr gefallen. Sie konnte sich diesen Detektiv gut vorstellen. Sie bedankt sich bei Beni für einen fadengeraden Krimi ohne Kinderschänder und Obduktionen! Es sei fesselnd, spannend und nie langweilig gewesen.

Zitate:

S. 115Sie haben keine Feinde? Eben nicht, ich bin erst seit 2 Jahren hier!“

S. 18 „ Erinnerungen aus der guten alten Zeit, als wir noch so gut aussahen, dass wir uns Frauen ohne Geld anbieten konnten…“

S. 17 „Und der Hund?“

S. 174 „Und er hatte einen Anwalt gefunden, der noch galliger war als er selber, mit dem er sich ablöste.“

S. 173 „Maigret schaute die beiden an – ihn mit seiner aufgesprungenen Lippe, seinem kurzgeschorenen Haar und seiner Verbrechervisage, die begann, wieder menschliche Züge anzunehmen, sie mit ihrem armseligen Gesicht, das in diesem antiquierten Café verblasst war.“

S. 27 „Sie litt an Blutarmut. Ihre flache Brust war nicht dazu geschaffen, Sinnlichkeit zu erwecken.“

Krönchen: 3 x 4 und 3 x 3

4. Zum Weiterlesen

Über 75 Maigret-Erzählungen; als beste galt lange „Maigret et le clochard“


13.12.2006