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Joseph Conrad - Der Geheimagent - Eine einfache Geschichte
1. Kurze ZusammenfassungIn dieser 1907 geschriebenen Geschichte, die er selbst als seine beste bezeichnete, widmet sich Joseph Conrad am Beispiel Londons dem Moloch Grossstadt. Der Sprengstoffanschlag auf die Sternwarte von Greenwich im Jahr 1894 bildet den Angelpunkt für den Thriller, der in die Abgründe menschlichen Verhaltens führt. Der Geheimagent ist Conrads einziger Kriminalroman.
Adolphe Verloc hat es sich in seinem Leben als Doppelagent bequem eingerichtet. Im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes unterhält er seit Jahren die engsten Beziehungen zum Roten Komitee in London. Sein Kleinwarenladen in einem Armenviertel ist geheimer Anlaufpunkt anarchistischer Anführer. Von der englischen Polizei wird er ebenfalls in Ruhe gelassen, da er Kriminalinspektor Heat gelegentlich nützliche Informationen zuspielt. Er heiratet Winnie und zusammen mit deren Mutter und Bruder Stevie ziehen sie in das Haus in der Brettstreet. Stevie gilt als schwachsinnig und ist von der schwesterlichen Zuwendung abhängig.
Eines Tages erteilt ihm sein Chef, der Gesandte Wladimir, den Auftrag, das Greenwich-Observatorium in die Luft zu sprengen. Dies soll die Öffentlichkeit in Aufruhr zu versetzen und die Polizei auf eine falsche Fährte zu locken: Das Verbrechen soll den Anarchisten angelastet werden, um sie schliesslich politisch zu besiegen.
Der Sprengstoffanschlag glückt, doch führen die Untersuchungen des Inspektors direkt zum Hause Verlocs: Ein Mantelfetzen mit der Aufschrift der Adresse in der Brettstreet verrät den vermeintlichen Selbstmordattentäter. Verloc wird als "agent provocateur" dieser sinnlosen Tat entlarvt, bei der er seinen Schwager Stevie in den Tod geschickt hat. Durch die Rivalität von Inspektor Heat und seinem Vorgesetzten erfährt Winnie auf ganz brutale Weise von dem gewaltsamen Tod ihres treuen und geliebten Bruders. Sie ersticht Verloc und flieht mit dem Geld, das er ihr anvertraut hat. Da sie in ihrer Verzweiflung nicht weiss, wohin sie soll, will sie sich von einer Brücke stürzen. Stattdessen stürzt sie in Ossipions Arme, der ihr ein Bahnticket nach Frankreich besorgt und sie dann alleine im Zug sitzen lässt. Winnie stürzt sich in den Kanal.
2. Über den Autor/die AutorinJoseph Conrad wurde am 3. Dezember 1857 als Jozef Teodor Korzeniowski und Sohn adeliger polnischer Eltern in Berdyczów (heute Ukraine) geboren. Conrads Vater war als patriotischer Schriftsteller und auch als Übersetzer von Shakespeare und Victor Hugo ins Polnische bekannt. Der Vater wurde, weil politisch zu aktiv, in die Verbannung geschickt. Nach der Rückkehr lebten sie in Krakau. Als J. Conrad 11 war, starben die Eltern und er zog zu einem Onkel.
Mit fast 16 zog er nach England, ging zur See und später zur britischen Handelsmarine und erlangte 1886 die britische Staatsbürgerschaft. Er wurde 1888 Kapitän der „Otago“, und diente auf einer Reihe anderer Schiffe. Im Kongo erlitt er ein tropisches Fieber, von dem er sich nie richtig erholte und das ihn zwang seinen Seemannsberuf aufzugeben.
In England begann er als Schriftsteller zu arbeiten. Conrad schrieb in englischer Sprache, die er erst mit 21 Jahren zu erlernen begonnen hatte. Lange Zeit war er auf Gönner angewiesen. Erst 1914 hatte er seinen literarischen Durchbruch. Seine Romane und Erzählungen zählen zu den berühmtesten Werken der britischen Literatur des 19. Jahrhunderts.
Joseph Conrad starb am 3. August 1924 an einem Herzversagen in seinem Landhaus in Kent. Joseph Conrad hatte zwei Söhne: Borys Conrad (1898–1978), und John Conrad (1906–1982).
3. Diskussion zum ThemaDer Untertitel des Buches heisst „Eine einfache Geschichte“, das ist es nicht wirklich. Wir fühlten uns alle gefordert und es fiel niemandem von uns leicht, diese Geschichte zu lesen. Drei von uns haben das Buch nicht fertig gelesen, Beni und Carmen kamen bis über die Mitte, Christa resignierte bei Seite 60. Es ist definitiv kein Buch um vor dem Einschlafen im Bett ein paar Seiten rein zu ziehen.
Laut Evi hätte das Buch um 200 Seiten gekürzt werden dürfen. Aber Carmen gab zu bedenken, dass wir manchmal vergessen, dass die Geschichte vor 100 Jahren aufgeschrieben wurde, als es noch keine TV-Krimis und Filme mit schnellem Schnitt gab! Unser Tempo war Joseph Conrad gänzlich unbekannt. Marina gab zu bedenken, dass das Buch heute kürzer wäre, weil die Leute immer weniger lesen.
Carmen las das Buch fast an einem Tag durch. Dadurch kam sie in den Rhythmus des Buches, der Stil gefiel ihr ausgezeichnet, sie konnte sich auf die Geschichte und die Sprache von Conrad einlassen.
Kritik: Das Buch hat ihr gut gefallen. Es war zäh, aber gut. Auch sie las es erst in den Ferien, vorher war es zu anspruchsvoll. Der Einstieg ist nicht einfach. Im ganzen Buch gibt es keine einfache Figur. Unbefriedigend ist auch, dass die Personen sich ihrer Meinung nach nichts überlegen. Das meiste war ihr von Anfang an klar, Stevie, der Unfall. Eigentlich hasst sie ja historische Romane, aber hier ist sie froh, gelesen zu haben. Die Geschichte hat ihr was gegeben vom London-Feeling vor über 100 Jahren. Die Sprache hat ihr ausgezeichnet gefallen. Conrad war sehr gesellschaftskritisch, hat wahrscheinlich nicht in dieser beschriebenen Schicht gelebt. Es ist ein politisches Buch.
Auch sie konnte am Abend nicht lesen, das war zu zäh. Die Figuren waren zwar einfach im Gemüt, dennoch gut herausgearbeitet. Sie findet, Conrad hat sich über seine eigenen Figuren fast lustig gemacht. Diese waren nicht initiativ, liessen zuviel mit sich geschehen. Der Sprachstil empfand sie als ironisch und lapidar. Es war fies, witzig-lustig. Die Adjektive waren treffend eingesetzt. (vgl. S. 145) Dennoch war die Geschichte zäh zu lesen, hatte keinen Fluss und war alles andere als ein page-turner. Man musste wirklich wach sein. Doch: es hat ihr gefallen!
Das Buch hat ihr sehr gut gefallen. Doch auch sie musste er Tempo zurück nehmen, damit sie in die Geschichte hinein kam. Doch in 4 – 5 x hinsetzten hat sie das Buch gelesen. Wenn sie es nicht hätte lesen müssen, hätte sie das Buch nach einigen Seiten weg gelegt. Es wurde immer pfiffiger gegen den Schluss. Sie musste oft lachen, die Geschichte macht Spass, wenn sie auch vorhersehbar war. Das Muster sah man sofort, nicht aber den Mord an Verloc. Das merkte sie erst beim „Tranchiermesser“. (Wurde mehrmals erwähnt, so dass es schliesslich jede merkte!) S. 167 oben bringt sie als Beispiel für den teilweise „hölzernen“ Stil, die übersetzte und gestelzte Sprache von Conrad: Die bescheidene Zusammenrottung von 7 Personen meist unmündigen Alters….“ (was man ja gemeinhin als einen Haufen Kinder bezeichnen würde)
Sie war vom Buch enttäuscht. Sie hat etwas ganz anderes erwartet, etwas mehr John Steinbeck, weil BAP ja die beiden Schriftsteller in einem Atemzug erwähnen. Zwei grosse Kritikpunkte brachte sie an: 1. hatte es viel viel viel zu viele Adjektive. 2. Die ganze Geschichte war schwammig. Nach dem Text auf dem Buchrücken wurden die Erwartungen nicht erfüllt. Dennoch, sie ist froh, das Buch gelesen zu haben. Es hat gewisse Beschreibungen, die wirklich gut sind. Das macht sie gluschtig darauf, etwas anderes von ihm zu lesen. Sie hat den Geheimagenten nicht gerne gelesen, aber beim zweiten Durchblättern hat sie das eine oder andere entdeckt, was wirklich gelungen war. Zitate: Marina: S. 224 „Ein hyperboreisches Schwein“ zischte er heftig. „Ein.. nun, man könnte sagen, ein Gentleman.“ Petra: S. 156 „Die Hauswände waren nass, der Strassenkot schillerte phosphoreszierend, und als er nahe Charing Cross aus einer der Gassen auf den Strand hinaustrat…“ Beni: 124 „Er fühlte sich wie ein vierkantiger Plock in einem runden Loch,…“ Evi: 184 „Weißt du den nicht, wofür die Polizei da ist, Stevie? Sie sorgt dafür, dass die, die nichts haben, denen, die was haben, nichts wegnehmen können Carmen: S. 190 „Seine feisten Arme lagerten wie fortgelegt auf der Bettdecke, wie weggeworfne Waffen, oder niedergelegte Arbeitsgeräte.“
4. Zum WeiterlesenLord Jim Herz der Finsternis
19.02.2008 |