Die Gräfinnen - Ein Leseclub

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Goult Benoïte - Salz auf unserer Haut

1. Kurze Zusammenfassung

Der bretonische Fischerjunge Gauvain und die kleine George freunden sich an. Doch die beiden trennen Welten. Nicht allein weil George und ihre Eltern nur als Touristen in dem malerischen Ort verweilen, sondern vor allem da die beiden aus total unterschiedlichen sozialen Schichten kommen. George, das Mädchen aus reichem Hause, Gauvain der Fischerjunge aus einfachen Verhältnissen. Dennoch freunden sich die beiden an und eine zarte aber leidenschaftliche Liebe entsteht zwischen ihnen.

Als es sie durch die unterschiedlichen Welten, in denen sie denken und leben, entzweit, gehen beide ihre eigenen Wege. Gauvain heiratet und gründet eine Familie, die er als Fischer ernährt, und auch George ist in festen Händen und wird Historikerin. Und dennoch führt sie die einstige Leidenschaft, die nie ganz versiegen will, immer wieder für ein paar glückliche Momente zusammen, ihr ganzes Leben hindurch.

Personen:

George

Übername: Karedig

• „ohne s“
• s. 48 Erste Verabredung s. 48

• S. 266 will François heiraten
• S. 270 ihre Mutter stirbt mit 68 Jahren
• Sie stammt aus einer intellektuellen Familie aus Paris, Eltern sind Musiker (?)
• Ihr Ferienhaus ist in der Bretagne, die beiden Töchter werden von der Dorfjugend nicht akzeptiert. Vor allem ein Fischerjunge ärgert sie öfters (Velo demoliert etc.) 
• Sie verliebt sich in diesen Jungen, entscheidet sich aber für ihr Leben, studiert in Paris Geschichte und doziert später in den USA, wo sie längere Zeit lebt. Mitte zwanzig heiratet sie Jean-Christophe und hat einen Sohn mit ihm. (Loïc).
• In späteren Jahren zieht sie nach Montreal, wo sie sich sehr wohl fühlt.

Gauvain
• Er stammt aus einfachen Verhältnissen, Fischerjunge.
• Er heiratet 1952 sehr jung Marie-Josée, weil sich George gegen ihn entscheidet. Er hat mit ihr 4 Kinder, (2 Jungs, 2 Mädchen) Aus allen wird etwas „Besseres“. (prom. Chemiker, Lehrerin, Stewardess)
• Der jüngste Bruder verunglückt tödlich

François & Luce
• François ist alter Freund von George; bleiben befreundet auch mit den jeweiligen Partner
• Geben zusammen ein Buch heraus (S. 265)

Jean-Christophe
• Ehemann von George, last sich früh wieder von ihm scheiden, Jean-Christophe heiratet wieder und hat mit der neuen Frau 2 Töchter

Loïc
• Sohn von George und Jean-Christophe
 
Sydney
• Unterrichtet Literaturgeschichte, ist ein guter Freund, später der Lebenspartner von George

Marie-Josée
• Frau von Gauvain, sie heiraten 1952
• „Ihre letzte Schwangerschaft hat sie um 2 Schneidezäne ärmer und 10 Jahre älter gemacht. „(S.79)
• Sie erkrankt an Krebs und wird operiert
 4 Kinder (Joël, die anderen bleiben namenlos)
 
Yvonne
• Schwester von Gauvain, wächst mit Vater, Mutter und 7 Jungs auf
• An ihrer Hochzeit trifft George wieder auf Gauvain, wo ihre Liebschaft beginnt.
 
Frédérique

• Sie ist die Schwester von George, (Frédérique mit Tick)

Ellen & Al
• Befreundetes Ehepaar von George, unterrichten wie sie an der Uni in New York.
• Lassen sich scheiden (S. 160) 


Nomen est Omen!

Gauvain: Männlicher Vorname (Französisch): Gauvain; weisser Falke; Walisisch (Artus-Sage); gwalch = der Falke; gwen = weiss, blond, leuchtend, heilig; schottische mittelalterliche Form eines normannisch-französischen Namens 'Gawain', der wiederum auf einen walisischen Namen 'Gwalchgwyn' zurückgeht; in der Artus-Sage ist Sir Gawain einer der Ritter der Tafelrunde

George: Georg kann sowohl als männlicher Vorname, als auch als Familienname verwendet werden. Die weibliche Form des Namens ist Georgia, deswegen sind als Familiennamen auch Georgii und Georgi bekannt. Die Namensherkunft ist aus dem Griechischen. Georg wird abgeleitet vom griechischen Männernamen Georgios und bedeutet Bauer, aber auch Erde und Arbeit. Der Namenstag eines Georgs ist der 23. April, der Feiertag des heiligen Georg und der 11.Oktober. Bekannte Namensträger sind mehrere Politiker, wie zum Beispiel George W. Bush

Sydney: ursprünglich altfranzösisch dann ein englischer Familienname, der sich vom Ort Saint-Denis in Frankreich ableitet; zur Herkunft des Ortsnamens siehe Name 'Dennis; sowohl männlich als weiblich ("die Beschützerin"); heute vor allem bekannt als australische Grossstadt

Seychellen: Die Republik der Seychellen ist ein Inselstaat im Indischen Ozean. Dieser liegt östlich von Afrika und nördlich von Madagaskar und Mauritius. Zwischen Afrika und den Seychellen liegen die Komoren.

Kormoran: Kormorane sind knapp gänsegross, sie haben eine Körperlänge von 77 bis 94 cm und eine Flügelspannweite von 121 bis 149 cm. Im Prachtkleid ist das Gefieder der auch in Mitteleuropa verbreiteten Unterart P. c. sinensis überwiegend schwarz, bei Sonnenschein glänzen die Federn metallisch grün oder bläulich. Das riesige Verbreitungsgebiet der Art umfasst grosse Teile der Alten Welt, ausserdem Australien und Neuseeland sowie Grönland und die Ostküste Nordamerikas. Kormorane sind an Wasser gebunden, die Brutkolonien liegen sowohl an Meeresküsten als auch an den Ufern grösserer Flüsse und Seen.

Vézelay: Der bekannte Wallfahrtsort liegt erhöht auf einem Hügel im nordwestlichen Zipfel des Morvan am Flüsschen Cure, an der Departementsstraße D 951 wischen Avallon (20 km) und Clamecy (25 km). Nach Auxerre im Norden sind es etwa 45 km. Zu einem bedeutenden Wallfahrtsort und Ausgangspunkt einer der Routen des Jakobsweges nach Santiago de Compostela wurde Vézelay durch seine Schutzheilige Maria Magdalena. Reliquien der Heiligen befanden sich wahrscheinlich schon seit dem späten 9. Jahrhundert in Vézelay.

Montreal: Montreal ist mit 1,6 Millionen Einwohnern die zweitgrösste Stadt Kanadas und die grösste Stadt der Provinz Québec. Im Grossraum Montreal leben etwa 3,7 Millionen Menschen. Montreal liegt im Osten Kanadas am Sankt-Lorenz-Strom. Die Stadt ist 450 Kilometer vom Atlantik entfernt. Zusammen mit ihrem Ballungsgebiet gilt sie als zweitgrösste französischsprachige Stadt der Welt.

 

2. Über die Autorin

Benoîte Groult
(* 31. Januar 1920 in Paris) ist eine französische Schriftstellerin und Journalistin.

Groult wuchs als Tochter einer in Frankreich berühmten Modedesignerin in der Pariser Oberschicht auf. Nach dem Studium der Literaturwissenschaften arbeitete sie bis 1953 als Fernsehjournalistin. Ehe sie 1972 ihren ersten eigenen Roman veröffentlichte, publizierte sie drei Bücher mit ihrer jüngeren Schwester Flora.

Ihre vorrangigen Themen sind, in essayistischer Form gestaltet, die Geschichte des Feminismus, die Diskriminierung von Frauen und die krankhafte Abneigung von Männern gegenüber Frauen (Misogynie), wobei sie ihre Texte sozialpsychologisch und historisch fundiert aufbereitet. In Deutschland wurde Salz auf unserer Haut mit mehr als 3 Mio. verkauften Exemplaren ein Bestseller. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Leidenschaft zwischen einer Pariser Intellektuellen und einem bodenständigen bretonischen Fischer wurde 1992 verfilmt. Wie viele ihrer Romane trägt auch dieser gewisse autobiografische Züge, die jedoch stark verzerrt dargestellt werden.

Benoîte Groult war in zweiter Ehe mit dem französischen Journalisten, Radio- und Fernsehmoderator Georges de Caunes verheiratet; aus der Ehe gingen die Töchter Blandine und Lison hervor. Mit dem Schriftsteller Paul Guimard (1921–2004) war sie bis zu dessen Tod verheiratet; aus dieser dritten Ehe stammt die Tochter Constance.

3. Diskussion zum Thema

Gräfin 1: Freute sich auf das Buch, las es bereits einmal Anfang 20, und damals hatte es sie extrem berührt. Nachdem sie damit begonnen hat, fand sie vor allem diese Ausschweifungen bemühend, die Protagonistin George war in ihren Augen eine arrogante Schnepfe; er gibt ihr sein Herz und sie nimmt nur den Sex und gibt nichts zurück. Für ihn ist es moralisch eine grosse Belastung, es ginge ihm ohne sie besser. Die Verachtung auf ihrer Seite für sein Leben ist spürbar, er nimmt sie wie sie ist. In ihren Augen ist er bildungsfern und sie schämt sich, mit ihm gesehen zu werden.

Gräfin 2: Das Sexvokabular empfand sie in diesem Buch als sehr störend und irritierte sie beim Lesen und hinderte sie daran, sich wirklich auf die Geschichte einzulassen. Die extrem vulgären Ausdrücke hat sie überlesen. Dennoch hat ihr das Buch gefallen, die Geschichte berührte sie. Das hin – und Hergerissen sein möchte sie nicht selbst erlebt haben müssen. Die Frau hatte ihrer Ansicht nach den männlichen Part in der Geschichte. Ein Mann dürfte so sein. Sie kann den Entscheid nachvollziehen, denn auch sie kann sich nicht vorstellen, sich mit einem Holzfäller aus dem Toggenburger Hinterland zu liieren. Er ging immer freiwillig zu den Treffen mit ihr. Auch Geschenke findet sie ok zu verneinen. Die beiden waren ehrlich. Die Anstandsdame, die im Buch quasi das schlechte Gewissen von George darstellte, fand sie sehr nerv tötend und bemühend. Alles in allem eine schöne Liebesgeschichte. Der Schluss war nicht extrem traurig, sondern so zu erwarten.

Gräfin 3: Vor dem eigentlichen Beginn mit der Lektüre nahm sie das Buch zur Hand und schmökerte ein bisschen und traf prompt auf so eine Sexpassage. Schock! Als sie richtig zu lesen begann, fand sie die Geschichte toll geschrieben. Doch ohne diese Intimitäten wäre es noch schöner gewesen. (Obwohl die beschriebenen Praktiken waren ja alle hundsnormal) Die Beziehung der beiden empfand sie als schön, nie pervers oder falsch. Auch sie störte sich an der Anstandsdame, das war extrem nervig und absolut unnötig. Die Lovestory ist schön. George kam Gauvain wenig entgegen, er unternahm mehr für die Beziehung. Er hinterfragte nichts, reduzierte sich auf ihre Bedürfnisse. Ein gelungenes Buch, vor allem das letzte Kapitel ist sehr geglückt.

Gräfin 4: Sie las das Buch zum 2. Mal, meinte es sei so Simone de Beauvoir der Liebesromane, dachte, es ist viel älter. Sie meinte, es sei ein Klassiker. Schon damals gefiel ihr die Geschichte nicht. Deshalb freute sie sich auch nicht, es erneut zu lesen. Darum beendete sie es diesmal auch nicht. Noch vor der Szene in Disneyland kapitulierte sie. George gab ihr total auf den Keks. Sie nutzte Gauvain nur aus. Er schätzte sie, sie konsumierte ihn. Im Buch sah sie keine Chancen auf Entwicklung der Charaktere. Nur der Schluss gefiel ihr.

Gräfin 5: Auch sie las das Buch zum 2. Mal. Es gefiel ihr weder damals noch jetzt. Warum müssen Frauen da weinen? Sie nervte sich ob der überkandidelten Sprache und den diversen Ausdrücken für die Geschlechtsteile. Die Liebesgeschichte berührte sie in keiner Phase. George erschien ihr als Zombie. Er war authentisch. Es war eigentlich immer klar, dass sie gar nicht zusammen kommen können. Der Schluss gefiel ihr am besten, weil das Buch dann endlich fertig war. Nur der Sprache und dem Stil kann sie positive Aspekte abgewinnen.

Gräfin 6: Das Buch hat ihr gut gefallen. Sie störte sich nie an der Wortwahl, auch die Intimitäten passten ihr, sie gehörten zu dieser Geschichte, die ja vor allem den sexuellen Aspekt einer Liebesbeziehung wiederspiegelt. Ihr erschien die Beziehung der beiden ausgewogen. Beide bekamen, was sie suchten. Die Anstandsdame störte sie aber ebenfalls, denn wenn sie da ist, muss auch das Gegenteil davon kommen, das Teufelchen, das zu einer Tat antreibt, oder? So einfach aber kann das nicht sein. Irgendetwas muss kaputt gehen, man kann doch nicht Pralinen kosten und nachher wieder mit altem Brot zufrieden sein?

Zitate:
S. 292 „Nur derjenige liebt einen wirklich, vor dem man die eigene Überlegenheit zeigen kann, ohne seinen Stolz zu verletzen oder seinen Groll hervorzurufen.“
S. 252 „Nicht nur, um Gauvain zu sehen, hatte ich das Bedürfnis, auf die Seychellen zu reisen, sondern um mit verliebten Augen betrachtet zu werden.“
S. 272  „Man muss lernen, den andern manchmal untreu zu sein, um es sich selbst gegenüber nicht zu sein.“
S. 319 „Um einen Mann trauerte, mit dem ich nie ein Weihnachten verbracht hatte.“
S. 160 „ Erst wenn man sich von einem Menschen nicht mehr beeindrucken lässt, kann man ihn gegebenenfalls manipulieren, und er wann man ihn nicht mehr liebt, wäre man endlich in der Lage, sich von ihm lieben zu lassen.“
S. 159 „?????

4. Zum Weiterlesen

Les trois quarts du temps, 1983
deutsche Ausgabe: Leben will ich. Roman

5. Diverses

Wir danken Christa für die Gastfreundschaft und ihr und ihrem Mann für die tolle Bewirtung. Wir alle sind immer wieder erfreut, wie viel wir in der Diskussion aus einem Buch erfahren und herausholen. Es ist sehr anregend, in der Gruppe etwas Gelesenes zu besprechen.

Carmen möchte im nächsten Sommer „Eine Stadt wie Alice“ mit uns lesen. Das gibt es nur noch antiquarisch. Bitte Augen offen halten.

6. Neue Aufgabe/nächste Zusammenkunft

Hermann Hesse: „Narziss und Goldmund“
21. Oktober ab 19.30 Uhr bei Carmen in Meggen.

 

17.06.2009