Die Gräfinnen - Ein Leseclub

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Hermann Hesse - Narziss und Goldmund

1. Kurze Zusammenfassung

Im späten Mittelalter tritt der junge Goldmund als Schüler ins Kloster Mariabronn ein. Er trifft hier auf den sensiblen und intellektuellen Narziss, einen der begabtesten Schüler, der sich für ein asketisches Leben innerhalb der Klostermauern berufen fühlt. Wenngleich Goldmund ein völlig gegensätzlich veranlagter Mensch ist, schliessen die beiden Freundschaft.

Wie der von ihm zutiefst bewunderte Narziss möchte Goldmund Mönch werden. Doch Narziss erkennt, dass sein Freund von verdrängten, gleichwohl mächtigen inneren Trieben bewegt wird, die ihn eher für ein ungebundenes, der Liebe und der Kunst gewidmetes Leben prädestinieren. Er hilft Goldmund dabei, sein Seelenleben zu erforschen und seine inneren Antriebe zu erkennen, und ermutigt ihn, das Kloster zu verlassen.

Goldmund, der nun für lange Strecken allein im Zentrum des Geschehens steht, begibt sich auf eine unstete Wanderschaft. Er erlebt den Zauber der Liebe und des Eros, lernt die Freiheit kennen und schätzen, tötet einen Vagabunden und erkennt eines Tages beim Betrachten eines Marienbilds in einer Kirche, dass er sich zum Künstler berufen fühlt. Beim ehrwürdigen Meister Niklas geht Goldmund in die Lehre und erlernt das Bildhauerhandwerk.

Doch bald zieht es ihn wieder hinaus auf Wanderschaft, und es schliessen sich ihm bald ein Abenteurer und eine Gefährtin an. Nachdem die Pest (angesteckt von einem Vergewaltiger, der von Goldmund getötet wird) seine Geliebte hingerafft hat, will er zu Meister Niklas zurückkehren, doch auch dieser ist inzwischen gestorben. Als Goldmund bei der Verführung der Geliebten des kaiserlichen Statthalters ertappt wird, wird er zum Tode verurteilt. Erst im letzten Moment wird er begnadigt - auf das Einwirken Narziss' hin, der mittlerweile Abt geworden war und seinen alten Freund dank seines Einflusses retten kann.

Für kurze Zeit lebt Goldmund nun bei Narziss im Kloster und ist dort als Bildhauer tätig, doch er hält es nicht lange aus und bricht bald wieder auf. Erst sterbenskrank kehrt er zu Narziss ins Kloster zurück, der ihn wie stets voller Liebe aufnimmt. Schliesslich stirbt Goldmund in den Armen seines Freundes.

Narziss und Goldmund ist eines der meistgelesensten deutschen Bücher und wurde in über 30 Sprachen übersetzt.

 

 1b) Detaillierte Zusammenfassung

 

1. Kapitel: Das Kloster Mariabronn und seine zwei aussergewöhnlichsten Bewohner: Der alte Abt Daniel und der begabte Novize Narziss. Ein Gespräch zwischen beiden bringt deren Gegensätzlichkeit und Charakter nahe. Der junge Goldmund, der ohne Mutter und Geschwister im mittelalterlichen Deutschland aufgewachsen ist, wird von seinem reichen Vater in die Klosterschule Mariabronn gebracht. Goldmund gewöhnt sich schnell ein. Sein Rösslein Bless tröstet ihn über das Heimweh hinweg.

 

2. Kapitel: Im Kloster fühlt er sich zum Abt Daniel und Narziss hingezogen. Etwa ein Jahr später wird Goldmund von seinen Schulkameraden zu einem heimlichen Ausflug ins Dorf verleitet. Anfangs langweilt er sich nur, als ihm aber beim Abschied eines der Mädchen einen Kuss gibt, wird ihm der Abend zu einem bedrückenden Erlebnis.

 

3. Kapitel: Narziss und Goldmunds Beziehung wird immer intensiver und komplizierter - auch die Unterschiede treten zu Tage. Erst nach Monaten erzählt Goldmund die Geschichte des Ausflugs seinem guten Freund Narziss und lehnt von jetzt an jede neue Aufforderung, mit ins Dorf zu gehen, ab.

 

4. Kapitel:  Ein Gespräch zwischen den beiden bringt die Unterschiede auf den Begriff: Der Geistmensch und der Sinnenmensch, der Denker und der Künstler, der Asket und das Mütterliche stehen sich gegenüber. Goldmund bricht zusammen. Aber warum? Welches Geheimnis birgt er? Eines Tages kommt es zu einem Gespräch der beiden, durch das Goldmund das längst vergessene Bild seiner Mutter zurückgewinnt. Narziss erkennt nämlich, dass Goldmund die Erinnerungen an seine Mutter aus früherer Kindheit deswegen verdrängt hat, weil sein Vater und die bürgerliche Welt um sie herum befunden haben, dass die Mutter Goldmunds ein sündhaftes Leben geführt hat. Goldmund bricht zusammen.

 

5. Kapitel: Die vergessene, verdrängte Mutter kommt in Goldmunds Erinnerung: Mutterträume und verschüttete Kindheitserinnerungen.  Er träumt von jetzt an oft von ihr und seiner schönen, freien Kindheit. Narziss vermutet, dass Goldmund das Kloster bald verlassen wird, weil er glaubt, dass Goldmund viel von den freizügigen und freiheitsliebenden Eigenschaften und Gaben seiner Mutter geerbt hat. "An Goldmunds Bestimmung zum Asketen aber glaubte Narziss nicht. Deutlicher als ein anderer verstand er in Menschen zu lesen, und hier, wo er liebte, las er mit gesteigerter Klarheit. Er sah Goldmunds Natur, die er trotz des Gegensatzes innigst verstand, denn sie war die andere, verlorene Hälfte seiner eigen.“ Seine Aufgabe war ihm klar: dies Geheimnis seinem Träger zu enthüllen, ihn von der Schale zu befreien, ihm seine eigentliche Natur zurückzugeben. Der Abschied beginnt.

 

6. Kapitel: Nachdem Goldmund ausserhalb der Klostermauern ein Büschel Johanniskraut suchen soll und in der freien Natur von Lise verführt wird, verabschiedet er sich noch am gleichen Tag von Narziss und verlässt das Kloster. Er verbringt mit der Frau noch eine Nacht, wird aber von ihr verlassen, da sie zum Ehemann zurückkehrt.

 

7. Kapitel: Lise verlässt ihn um zu ihrem Ehemann zurückzugehen. Goldmund irrt 2 Tage im Wald umher und findet nicht heraus. Er erkennt, dass es ohne Menschen unerträglich ist und die Tiere und Pflanzen, die er ganu studiert, ihm nicht ausreichen. Er findet Aufnahme bei einer Bäuerin.

 

8. Kapitel:  Goldmunds Wanderleben beginnt. In den nächsten zwei Jahren wandert er ziellos umher und lernt die Frauen kennen und beglücken. Den Herbst verbringt er bei einem alten Ritter und seinen beiden jungen Töchtern. Er begehrt die Ältere, Lydia, die seine unvergessene Liebe des Lebens bleiben wird. Als aber die jüngere Tochter Julie aus Eifersucht die inzwischen entstandene heimliche Beziehung Lydias mit Goldmund stört, beichtet Lydia alles dem Vater, da sie weiss, dass die Liebelei eskalieren würde. Nun wird er in die Winterkälte vertrieben. Lydia lässt ihm von einem Stallknecht ein warmes Wintergewand und zwei Golddukaten zustellen.

 

9. Kapitel:  In seiner Einsamkeit schliesst er sich mit dem Landstreicher Viktor zusammen. Dieser will in des Nachts der Dukaten berauben und wird in Notwehr von Goldmund erstochen. Schuldgefühle, Kälte und Hunger bringen ihn an den Rand des Todes. Er findet endlich in das Dorf zurück, wo er den Vaganten Viktor getroffen hatte, und wird dort von einer Bäuerin gesund gepflegt.

 

10. Kapitel: Ziellose, jahrelange Wanderung durch die Lande bringen ihn eines Tages in ein Kloster, wo er die Beichte ablegen will. Dort sieht er eine Muttergottes aus Holz, die ihn tief beeindruckt. Er fragt nach dem Meister, der dieses Kunstwerk vollbracht hat und macht sich sogleich auf den Weg zu ihm. Meister Niklas lässt sich von Goldmunds Talent als Künstler überzeugen und lässt ihn in seiner Werkstatt arbeiten. Er wird zunächst auf Treu und Glauben angenommen, nicht als Lehrling, sondern als Gehilfe. Er hatte als Probestück eine Zeichnung seines Freundes Narziss gemacht.

 

11. Kapitel: Goldmund führt zum Leidwesen seines Meisters ein recht ausschweifendes ungeregeltes Leben. Dennoch findet er sein vorläufiges Ziel und seine Selbstverwirklichung im Schnitzen. Im dritten Jahr beginnt Goldmund die Figur des Narziss, den Goldmund als den Jünger Johannes darstellt. Als die vollendet ist und der Meister nach vier Jahren bereit ist, Goldmund das Meisterzeugnis auszustellen, ihm auch seine Tochter Lisbeth zur Frau zu geben, damit er die Werkstatt übernehmen kann, lehnt dieser ab, weil "um hübsche Engelsfigürchen oder andern Tand zu machen, und sei er noch so hübsch, lohnte es sich nicht, Künstler zu sein. Für ihn waren Kunst und Künstlerschaft wertlos, wenn sie nicht brannten wie Sonne und Gewalt hatten wie Stürme, wenn sie nur Behagen brachten, nur Angenehmes, nur kleines Glück. Er suchte anderes."

 

12. Kapitel: Er entscheidet, dass die Zeit des Sesshaftseins noch nicht gekommen ist und dass sein Künstlertum noch reifen muss. Das Bildnis der (Ur-)Mutter wird ihm noch nicht gelingen. Der Meister ist enttäuscht, es kommt zu einem bitteren Abschied. Er begibt sich wieder auf Wanderschaft

 

13. Kapitel: Nach einiger Zeit schliesst sich ihm Robert, ein Landstreicher an. Sie kommen dorthin, wo die Pest wütet. Tief beeindruckt ist er in einem Haus, wo er fünf Tote findet. Niemand war mehr da, um sie zu beerdigen. Die Bilder graben sich tief in Goldmunds herz ein.  In einer Totenstadt findet Goldmund ein hübsches, noch gesundes Mädchen, Lene, ein Dienstmädchen, die später seine Geliebte wird, Zu dritt bauen sie eine Hütte im Wald, weit weg von dem grossen Sterben.

 

14. Kapitel: Gegen Ende des Sommers wird Lene von einem Unbekannten im Wald überwältigt, der herbeieilende Narziss erschlägt ihn. Lene ist aber von ihrem Vergewaltiger mit der Pest angesteckt worden. Bevor Lene stirbt, verlässt Robert die beiden. Goldmund wandert weiter durch die sterbende Welt. Auf seinen Wanderungen begegnet er auch der jungen Jüdin Rebecca, die ihn, den Christen und seine Hilfe, zurückweist und lieber allein bleibt und sich den eigenen Tod herbeisehnt. Goldmund ist tief erschüttert und kann Rebecca lange nicht vergessen

 

15. Kapitel: Er erreicht die Bischofsstadt seines ehemaligen Meisters Niklas. Doch der Meister ist gestorben und seine ehemals schöne Tochter Lisbeth ist verhärmt und verängstigt. Er kommt bei seinen ehemaligen Wirtsleuten unter, bringt viele seiner inneren Bilder auf Papier und durchstreift die Gegend. Dabei lernt er die schöne Agnes, die Geliebte des Statthalters kennen. Er stellt ihr tagelang nach, bis sie ihn zu sich bittet für ein Stelldichein. Es kommt, zur Liebesnacht und eine weitere wird vereinbart.

 

16. Kapitel: Den nächsten Tag besteigt er einen Berg und sinnt der Vergänglichkeit des Lebens nach: Was bleibt von ihm, wie hinterlässt man Spuren? Die Liebesnacht endet mit seiner Gefangennahme, Goldmund wird in ein Verlies gesperrt - ihm droht die Todesstrafe. Ein Priester verspricht ihm noch vor dem Morgengrauen die letzte Beichte. In der Nacht vor der Hinrichtung befreit er seine Hände von den Fesseln und wartet auf den Priester, um ihn totzuschlagen und in dessen Kutte zu fliehen  "Weinend lag er über dem Tisch, ein trostloses Kind. Aus der Not seines Herzens stieg ein Seufzer und flehender Klageruf: «O Mutter, o Mutter!» Und indem er den Zaubernamen sprach, antwortete ihm ein Bild aus der Tiefe seiner Erinnerung, das Bild der Mutter. Es war nicht die Mutter seiner Gedanken und Künstlerträume, es war das Bild seiner eigenen Mutter, schön und lebendig, wie er es seit den Klosterzeiten nie mehr gesehen hatte. An sie richtete er seine Klage, ihr weinte er dies unerträgliche Lied des Sterbenmüssens entgegen, ihr gab er sich anheim, ihr gab er sein ganzes Wesen und Leben zurück, in die mütterlichen Hände."

 

17. Kapitel: Der Priester aber ist Narziss, jetzt Abt Johannes. Er bringt die Begnadigung und sie verlassen die Stadt. Auf dem tagelangen Ritt nach Mariabronn stellt sich die alte Beziehung wieder her. Sie sprechen über Gottes Vollkommenheit und die Hölle, in der die Menschen leben. Dann über die Kunst und die "Überwindung der Vergänglichkeit"(387), die schöpferische Gestaltung der "Urbilder". Ankunft im Kloster.

 

18. Kapitel: Dort richtet sich Goldmund eine Werkstatt ein. Die Gespräche über den Unterschied zwischen dem Denker und dem Künstler werden wieder aufgenommen, zwischen dem Denken in Begriffen und dem Denken in Bildern. In zähem Ringen gelingen Goldmund für das Kloster Schmuckverkleidungen, einen Altar und eine Marienfigur, die Lydia darstellt.

 

19. Kapitel: Nach langer Zeit treibt es Goldmund wieder auf Wanderschaft, weil sein zweites Lebenswerk, die Marienstatue, vollendet ist, und er neue Erlebnisse haben muss, um eine weitere Figur erschaffen zu können. Er bricht auf, kommt aber schon am Ende des Sommers todkrank wieder zurück.

 

20. Kapitel: Im Herbst kehrt Goldmund zurück, alt, müde und krank, aber mit einer neugewonnen inneren Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Er hatte die schöne Agnes wiedergefunden, sie aber hatte ihn zurückgewiesen. Dann war er vom Pferd gefallen und leidet seitdem an Schmerzen. Das Bild der Urmutter arbeitet noch in ihm, er hat es gefunden, aber sie ihn "zum Sterben verführt". Er WILL nun sterben. Narziss sitzt am Bett des Kranken, die Gespräche der beiden drehen sich immer wieder um das Bild seiner Mutter. Als Goldmund dann im Beisein von Narziss stirbt, brennen in ihm Goldmunds letzte Worte wie Feuer: "Aber wie willst denn du einmal sterben, Narziss, wenn du doch keine Mutter hast? Ohne Mutter kann man nicht lieben. Ohne Mutter kann man nicht sterben."

 

 

2. Über den Autor

 

Hermann Hesse war Zeit seines Lebens ein Suchender. Nicht nur sein großes dichterisches Werk, das ihm 1946 den Nobelpreis einbrachte, auch sein Lebenslauf legt Zeugnis davon ab. In seiner Geburtsstadt Calw, wo er am 2. Juli 1877 zur Welt kam, verbrachte Hesse im Kreise der Familie seine Jugendjahre, die prägend blieben und an vielen Stellen Eingang in seine Bücher gefunden haben. Maulbronn, Tübingen und Basel waren weitere Lebensstationen. 1904 zog er in ein altes Bauernhaus in Gaienhofen am Bodensee, um fortan als freier Schriftsteller zu leben. 1911 unternahm er eine Indienreise und übersiedelte kurz darauf in die Schweiz, zunächst nach Bern und 1919 schließlich nach Montagnola (Tessin), wo seine reichste Schaffensperiode einsetzte und er 1962 starb. Die Bewältigung von persönlichen Krisen ist einer der Brennpunkte in Hesses Werk, in dem es aber auch um Fragen der Religion und der Politik geht. www.hermann-hesse.de

 

3. Diskussion zum Thema

Warum dieses Buch? Gräfin 1 erklärt, dass sie den Gräfinnen schon immer einmal Hesse aufs Auge drücken wollte. Dieser Autor hat sie in der Jugend sehr begeistert und sie hat mehrere Werke von ihm gelesen. Aber vor allem „„Narziss und Goldmund““ ist ihr als betörend in Erinnerung.

 

Gräfin 1: Mit Schrecken musste sie feststellen, dass sie vom Inhalt eigentlich so gut wie nichts mehr wusste. Wie sie erfahren hat, ist sie nicht die Einzige, der es so ging. Kurz und gut, das Buch hat sie von Anfang bis zum Ende erneut gefesselt und begeistert. Ihr gefiel die exzellente, unglaubliche Sprache, diese immense Fabulierlust Hesses, aber auch diese Suche nach Worten. In keinem Satz hat man das Gefühl, dass ein Wort steht, das nicht genau da sein muss oder extra gesucht worden ist, um genau dieses Szene, dieses Gefühl zu beschreiben. Dieses Ringen um Worte hat ihr ausserordentlich gefallen. Sie fand die Charaktere von „Narziss und Goldmund“ spannend gezeichnet, die Entwicklung beider nachvollziehbar. Es faszinierte sie ungemein, dass Hesse seine eigene Persönlichkeit in 2 Protagonisten aufspaltetete, in die eine (Goldmund) wie er sein möchte, und in die andere (Narziss) wie er wahrgenommen wird. Auch als nicht visueller Typ lebte sie in der Geschichte. Wichtige Charaktere sind intensiv und umfassend dargestellt, andere wiederum, die Goldmund im nur vorbeigehen kennen lernt, werden lediglich in wenigen Worten beschrieben. (Blasse Figuren bleiben blass in der Beschreibung)

Frage: Warum beginnen die wichtigen Frauen in Goldmunds Leben mit einem L? Lisa, Lisbeth, Lydia, Lene?

 

Gräfin 2: Sie zögerte leicht, das Buch zu beginnen. „Siddharta“ ist ihr unvergessen, das hat ihr nicht wirklich gefallen damals, mit 20. Nun war sie aber ganz begeistert von Hermann Hesse, „Narziss und Goldmund“ gefielen ihr total. Die Entwicklung der Geschichte war für sie stimmig. Sie fand es lesenswert, hat sie auch berührt, mit dem Schluss ist sie einigermassen einverstanden.

 

Gräfin 3: Auch sie hat früher mal Siddharta gelesen (Ihr hat’s aber gefallen). Auch „Narziss und Goldmund“ hatte sie bereits einmal gelesen, der Schlusssatz ist ihr brennend in Erinnerung geblieben, der Rest war wie bei Gräfin 1 ein wenig verschüttet. Die Sprache gefiel ihr ebenfalls extrem gut, empfand es aber immer eine wenig am Rande des Kitschs. Einzig mit der Figur der Rebekka hatte sie ein wenig Mühe. (Laut Gräfin 1 ist dies aber ein politisches Statement von Hesse, der damit gegen die Judenverfolgung der Nationalsozialisten Stellung bezog) Goldmund lebt ihrer Ansicht nach ein schnelles, gefährliches Leben, es bleibt nichts von ihm zurück. Narziss jedoch hinterlässt mit Bestimmtheit eine Lücke im Kloster, wenn er nicht mehr da ist, denn er hat aufgebaut und weitergegeben.

 

Gräfin 4: Sie hat vorher nie Hesse gelesen. Ihr gefiel vor allem der erste Teil des Buches, der im Kloster spielt, ausgezeichnet. Sie kannte das Leben im Kloster von einer Verwandten, war als Jugendliche sehr fasziniert davon. Sie war für drei Wochen dort im Kloster und diese Ruhe und Zufriedenheit fand sie nun im Text wieder. Die beiden Charaktere gefielen ihr. Sie hatte für beide Verständnis. Sie konnte nachvollziehen, dass Narziss sich ins Klosterleben eingeben will, aber auch Goldmund, der in die Welt und zu den Menschen hinaus wollte. Sie findet, dass beide ein erfülltes Leben führten, auch Goldmund, obwohl er keine wirkliche Lücke hinterlässt. So fehlt er doch seinem Freund, der nun keine Ergänzung mehr hat, der zurückbleibt und für Gespräche und Austausch nicht mehr da ist. Am Ende des Buches finden „Ying und Yang“ zusammen zu einem Ganzen. Erst zurück im Kloster sind beide im Leben angekommen und erfüllen und inspirieren sich gegenseitig.

Ihr fehlten im Buch einzig genauere Landschaftsbeschreibungen. Sie wusste nie, wo sich Goldmund herumtreibt, wie die Gegend aussieht. (Einwand Gräfin 1: Wusste er das selber überhaupt? Ihr schien es immer, als nehme er nicht wahr, als treffe er einfach Menschen, ihm war es nicht wichtig, wo er sich befand.)

 

Gräfin 5: Sie kann sich vielen Äusserungen anschliessen. Sie hat das Buch gern gelesen, es war in einer wunderbaren Sprache abgefasst. Die beiden Protagonisten wurden von Hesse mit gleichviel Liebe gezeichnet. Beide waren ihr sympathisch. Das Tempo des Buches war allzeit angenehm, etwas gemächlich, aber das passt ja zu dieser Zeit. Die Geschichte hat sie berührt und sie konnte sich darin vertiefen, aber es ging ihr nicht extrem ans Herz.

 

Gräfin 6: Auch sie hat das Buch in jungen Jahren bereits einmal gelesen. Sie wusste aber nur noch, dass es Herz-Schmerz war, den Inhalt hatte sie vergessen. Jedoch dachte sie immer mit Entzücken an das Buch zurück und erklärte jeweils mit verklärtem Blick, dass ihr das Buch extrem gefallen habe. Diesmal empfand sie den Einstieg als schwierig, ja stellenweise sogar langweilig. Sie hatte schon fast Angst, dass wieder so eine schöne Jugenderinnerung als Enttäuschung endet. Sie glaubte Hesse nicht alles und zitiert eine Stelle, bei der ihr nur „blabla“ einfällt. Im Alter von 18 zerfloss sie vor Ehrfurcht beim Lesen, jetzt im „Alter“…sieht sie Vieles anders.

Als Goldmund das Kloster verliess und auf seinem Weg war, machte das Lesen richtig Spass. Sie erkannte, dass es Hesse um die Suche nach dem Ausgleich geht, sie konnte das nachvollziehen. Der Ausgleich zwischen männlich und weiblich, gut und böse, das ist wichtig. 

Narziss kriegt weniger Zeit, weil er die Suche eher beendet. Er schickt Goldmund in die Welt hinaus, weg von sich, obwohl er weiss, dass er ihn schrecklich vermissen wird. Er schickt ihn weg, damit dieser zu sich selbst findet. Goldmund sieht in der Folge Lust und Schmerz, Liebe und Tod als Einheit. Er suchte und fand. Dies gipfelte in seinem grossen Kunstwerk. So kann er in den Tod gehen. Narziss kann gar nicht sterben, ihrer Meinung nach, weil er sich noch auf die Suche machen muss. Das kann er jetzt, da Goldmund tot ist, jetzt geht auch er auf den Weg. Denn in Goldmund sah er seinen Stellvertreter, der für ihn in die Welt hinaus geht. Als junger Mann dachte er bereits, er sei angekommen. Aber nein, Goldmund kommt zurück und belehrt ihn eines Besseren. Goldmund hinterlässt sehr wohl etwas, vielleicht keine grosse Lücke, aber seine Kunstwerke, seine Schöpfungen. Dies ist der Ausdruck seiner Erlebnisse, die Quintessenz seines Lebens. Er gebiert die; er ist die Mutter. Narziss; sein Inhalt ist das Kloster, er schaut dort zum Rechten, er ist der Vater. Sie findet das Ende ungerecht, dieser Kick ans Bein für Narziss.

 

Krönchen: 6

·        Gräfin 1   sechs

·        Gräfin 2: fünf

·        Gräfin 3   fünf

·        Gräfin 4   sechs

·        Gräfin 5. fünf

·        Gräfin 6   sechs

·         

 

Fazit:

 

Selten hat ein Buch alle Gräfinnen gleichermassen berührt. Sehr lesenswert, unbedingt zu empfehlen, auch als Geschenk für Weihnachten!

Wir beschossen, dem Buch als erstes von allen die volle Krönchenzahl zu geben.

 

 

Zitate:

 

Gräfin 1: S. 262 „…nirgends war Einatmen und Ausatmen, Mannsein und Weibsein, Freiheit und Ordnund, Trieb und Geist gleichzeitig zu erleben, immer musste man das eine mit dem Verlust des anderen bezahlen, und immer war das eine so wichtig und begehrenswert wie das andere.“

 

Gräfin 2: S. 40 „…unsere Freundschaft hat überhaupt kein anderes Ziel und keinen anderen Sinn, als dir zu zeigen, wie vollkommen ungleich du mir bist.“

 

Gräfin 3: S. 331 „Ohne Mutter kann man nicht lieben. Ohne Mutter kann man nicht sterben.“

 

Gräfin 4: S. 309 „ Es gibt den Frieden, gewiss, aber nicht einer, der dauernd in uns wohnt..“

 

Gräfin 5: S. 205 „…Jedes Leben wird ja erst durch Spaltung und Widerspruch reich und blühend. Was wäre Vernunft und Nüchternheit ohne das Wissen vom Rausch, was wäre Sinnenlust, wenn nicht der Tod hinter ihr stünde, und was wäre Liebe ohne die ewige Todfeindschaft der Geschlechter?“

 

Gräfin 6: S. 262 „Die Frauen hatten es hierin vielleicht leichter. Bei ihnen hatte die Natur es so geschaffen, dass von selbst die Lust ihre Frucht trug und aus dem Liebesglück das Kind wurde. Beim Manne war statt dieser einfachen Fruchtbarkeit die ewige Sehnsucht da. War der Gott, der alles so geschaffen hatte, denn böse oder feindselig, lachte er schadenfroh über seine eigene Schöpfung?“

 

4. Zum Weiterlesen

- Der Steppenwolf

- Unterm Rad

- Das Glasperlenspiel

- Demian

- Siddharta

 

5. Diverses

Gräfin 1 stellte ein üppiges Mittelalter-Buffet zusammen, an dem sich alle mehr als satt assen. Herzlichen Dank

21.10.2009